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Klima-Allianz Deutschland: Leitentscheidung muss sich an Pariser Klimazielen ausrichten!

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Klimabündnis Dortmund zur Leitentscheidung Braunkohle

Zum Entwurf der Leitentscheidung der Landesregierung für das Rheinische Braunkohlerevier nimmt das Klimabündnis Dortmund wie folgt Stellung:

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weiteres Thema

Heimat, Kultur, Boden, Menschen

Allgemeinwohl gilt vor Eigenwohl - ein Grundsatz, der seine Berechtigung hat bzw. haben kann.
Angesichts der aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisse zum Thema Klimawandel und dem heutigen Wissensstand bezüglich der Chancen der erneuerbaren Energien sowie der klar erkennbaren und von der breiten Wissenschaft geforderten Notwendigkeit schnell umzusteuern, ist für mich - als eine derjenigen, die evtl. ihre Heimat als Opfer für das Allgemeinwohl verlieren wird - das "Allgemeinwohl" hier nicht mehr erkennbar.
Mehr noch - ich frage mich:
Ist es nicht viel mehr im Sinne des Allgemeinwohls so schnell wie möglich aus der Kohle auszusteigen?
Ist es nicht ebenfalls folgerichtig zu fragen, ob man die Menschen und ihre Heimat in der noch nicht abgebaggerten Region - mit all ihren kulturellen Schätzen (die Kirchen oder unsere historischen, unter Denkmalschutz stehenden Feldhöfe) und Naturschätzen wie dem BODEN - nicht verschonen bzw. diese Region so weit es irgendwie geht erhalten sollte?
Ist es nicht die Pflicht eines jeden Politikers und aller Entscheidungsträger in diesem Thema sich diese Frage "neu" zu stellen und das scheinbar Unmögliche möglich zu machen? Nämlich auf dem letzten Stück des Weges nochmal neu und evtl. anders zu entscheiden - auch hier lohnt sich noch ein STOPP. Bis hier hin und nicht weiter- dafür ist es nie zu spät und das verschonte Fleckchen Erde - meine Heimat- nie zu klein.
Ist es nicht auch folgerichtig, wenn man Holzweiler heraus nimmt aus dem Abbaugebiet und diesen Ort verschont, dann auch zu überlegen wie und mit welchem Umfeld diese Menschen dort in den nächsten Jahren leben sollen? Haben nicht alle Menschen ein Recht auf ein gesundheitsförderliches Umfeld? Wie steht es mit der aktuellen politischen Zielsetzung der "Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse"?
Wie steht es mit dem nationalen Gesundheitszielen? Wo werden diese hier beachtet oder mitgedacht?
Die historischen Feldhöfe Eggerather Hof und Roitzerhof und die zugehörigen Flächen sowie das darin liegende Wegenetz sind eine wichtige gesundheitsförderliche Umgebung (Spaziergang, Radfahren) für die Bevölkerung. Sie fördern auf niederschwellige Art und Weise Bewegung, Ernährung und soziale Teilhabe.
IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung ist ein nationaler Aktionsplan der Bundesregierung - wo wird dieser hier berücksichtigt? Dieses ist kein nebensächliches Thema - es betrifft nicht weniger als die Lebensqualität und Chancengleichheit auf Gesundheit für die gesamte Bevölkerung von Holzweiler - die in den vergangenen Jahren schon überdurchschnittlich belastet wurde und in Zukunft ja auch weiterhin enorme Belastungen durch den angrenzenden Tagebau aushalten muss. Also ist es nur logisch zu fordern, dass man nicht nur den "Ort" erhält, sondern auch die "Umgebung" als lebenswerten Lebensraum . Die Politik hat mit dem Erhalt von Holzweiler A gesagt, nun muss sie auch B sagen!
Gleichzeitig kann man dadurch auch die Feldhöfe als historisches Kulturdenkmal erhalten, sowie ein Gebiet mit wertvollstem Boden - in Zeiten des Klimawandels und der wachsenden Erkenntnisse aus der Forschung zur Nachhaltigkeit sollte man meinen, dass das alleine auch schon Argument genug sei, um den Abbau von Kohle so früh wie möglich zu stoppen und das Abbaugebiet nochmal zu verkleinern.

Als auf einem Hof groß gewordene Diplom-Oecotrophologin habe ich beruflich mit all diesen Themen der Nachhaltigkeit und Gesundheitsförderung zu tun.
Als Mensch, der seine Wurzeln hier hat, konnte ich von meinen Eltern lernen, welch historisches Kulturgut hier verloren geht und habe diese Heimat lieben gelernt.
Als Mutter hoffe ich auf vernünftige und verantwortungsbewußte Entscheidungen im Sinne der nachfolgenden Generationen.

Ein wichtiger Bergriff in der Gesundheitsförderung (wesentliche Aspekte hierzu siehe auch in der Ottawa-Charta WHO, am 21.11.1986 veröffentlicht) ist das sogenannte KOHÄRENZGEFÜHL. Es wurde von dem Soziologen Aaron Antonovsky als ein Gefühl der Stimmigkeit im Zusammenhang mit der Salutogenese beschrieben. Es ist entscheidend , um in Krisen und Herausforderungen gesund zu bleiben.
Das Köhärenzgefühl setzt sich zusammen aus drei Komponenten:
Der Verstehbarkeit, der Sinnhaftigkeit und der Handhabbarkeit.

Ist die Sinnhaftigkeit für die Menschen in dieser Region noch gegeben, wenn man die Richtigkeit des "Allgemeinwohls" im Zusammenhang mit der Fortführung des Braunkohletagebaus und dem damit verbundenen Verlust der Heimat in Frage stellen muss? Wie sieht es bei den betroffenen Menschen dann mit der Verstehbarkeit und der Handhabbarkeit aus?

Ich würde mir wünschen, dass diese Aspekte in der gesamten Diskussion und bei allen Entscheidungen mehr Berücksichtigung finden - im Sinne der Menschen, die hier leben und im Sinne der Menschen, die seit vielen Jahren mit großen Herausforderungen rund um das Thema Braunkohle umzugehen haben. Sie haben es verdient.